Ehrlich gesagt habe ich ja eine Abneigung gegen afrikanische Folklore Tanz Shows mit den komischen Pudelmützen und Pumphosen der Männer, denn ich finde das irgendwie so rausgerissen aus jedem Zusammenhang: Hat was von Tiere im Zoo anschauen.

Gestern konnte ich wieder spüren, daß es auf das WIE ankommt und wahrlich Mansa Camio ist ein großer Meister – ich verneige mich vor ihm. Wie er Authentizität, Bescheidenheit, Selbstbewusstsein, Disziplin, Familienzusammenhalt mit solidarischer Integration von Freunden verbindet – einfach unglaublich! Sprühende und gleichzeitig extrem kontrollierte Kraft und vor allem viel Kraft, die sich immer wieder organisch und spiralig aufbaut. Viele Wiederholungen, die wie Wellen den Raum füllen und alle ergreifen, ganz gelassen und gebunden. Und seine Tochter! Ich habe sowas noch nicht gesehen! Ihr Tanz ist extrem traditionell, so wie ja das ganze Konzert und die ganze Arbeit von Mansa Camio auf die Tradition von seinem Dorf Baro in Guniea ausgerichtet ist und gleichzeitig hat sie einen ganz eigenen Stil und überrascht immer wieder mit eigenen Bewegungen. Extrem leicht und kraftvoll. Verspielt und präsent. Selbstbestimmt und mädchenhaft. Ich bin ihr Fan und werde sie nach Hamburg einladen, um mit uns einen Tanz Workshop zu geben!

Danke Ascan. Nicht nur du warst gerührt, sondern ich auch, auch von deinem Engagement und deiner verschmitzten Freude.

Katrin Pfeiffer, eine Institution in Hamburg, was westafrikanischer Tanz angeht, hat wieder sehr kompetent getanzt und ihre treuen Damen haben auch losgelegt. Wirklich schön zu sehen, daß mit 50 und 60 Jahren und sogar dadrüber hinaus, noch immer mit Vollgas und voller Begeisterung getanzt wird.

Danach war ich im Cascadas zur Jam Session, die vom Jamaicaner Nigel organisiert wurde zum Anlass vom Black History Month. Meine Begleiter vom Mansa Camio Konzert sind mitgekommen, aber wollten am liebsten gleich wieder gehen. Alles war cool hier und irgendwie disconnected anonym. Mohamed Sylla kannte einige Leute und wurde willkommen geheißen, so wie auch Sylvia Franke und so saßen wir da und staunten über die skurrile Mischung des Publikums: junge Hip Hopper, Afro-Amerikaner, Araber, schwarze Schönheiten, Marokkaner, irgendwie viele dicke Menschen und immer wieder auch operierte Frauen. Ich muss das mal sagen: Mich gruseln diese Schlauchboot Lippen dermaßen, dass ich immer ungläubig hinschauen muss.

Am Ende kam für mich wieder klar heraus: Tanzen macht mir nur mit anderen zusammen und zu echt richtig guter Musik Spaß. Bei Mansa Camio gab es natürlich die mega kraftvolle Musik, doch ich wollte immer nur einfach die Bewegungen der anderen Tänzer mittanzen, denn sie paßten genau zu den gespielten Patterns. Ich hatte gar keine Lust so aus dem Sitzen heraus reinzuspringen und mich zu produzieren. Lieber hätte ich in der Gruppe zusammen mitgetanzt. Wenn das fehlt, dann fehlt mir der Boden.

Danke Abdulaye Camara – schönster Sohn von Mansa. Das darf ich sagen, denn er ist so jung und nett und verheiratet und korrekt und so unglaublich gut erzogen. Respekt Meister Mansa Camio. Ich will nach Baro. Es gibt viel zu lernen. Wer kommt mit?