Tanzpädagogik-Ausbildung in der Bangoura-Methode

Im Ausbildungskonzept der rituellen Tanzpädagogik nach der Bangoura-Methode trifft afrikanische Tanztherapie auf Gestalttherapie. Ihre körperzentrierte Selbsterfahrung bildet die kreative Basis ihrer pädagogischen Ausbildung, die mit 7 Wochenenden beginnt.

Tanzrituale mit Livemusik in der Gruppe bilden das Herzstück der rituellen Tanzpädagogik. Dieser einmalige Ansatz nutzt kulturübergreifende Rituale, um Energien zu fokussieren. Im Ritual zu tanzen bedeutet, wir tanzen mit inneren Bildern und nutzen Symbole, um sich auszurichten und einen tatsächlichen Effekt zu haben. Wir tanzen archetypische Themen, das bedeutet jeder Mensch kann sie in sich verorten und gleichzeitig sind sie Teil eines gemeinsamen Unbewussten. Im Ritual werden wir uns bewußt, dass wir Teil eines größeren Energiekreislauf sind. Diese Einbindung entlastest die Einzelne und stärkt unser Vertrauen in die eigene Kraft. Rituelle Tanzpädagogik bedeutet Selbstermächtigung.

Auf diese Weise verankert sich die Tänzerin mit jedem Tanz tiefer mit ihrem Selbstwertgefühl. Wir sprechen und singen deutsch bzw. in der jeweiligen Muttersprache, um Transparenz, Authentizität und Bewusstheit zu gewährleisten.

Die Heilkräfte der traditionellen Rhythmen, Instrumente und Klänge sind komplex und vielschichtig. Ob entspannend oder aufladend, ihre Vibrationen sprechen uns im Ganzen, wirken ausgleichend auf unser Nervensystem und auf jede Zelle unseres Körpers. Der rituelle Raum ist ein geschützter Raum, weshalb wir auf Diskretion, Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit achten. Alles was wir erlebt haben ist in unserem Körper gespeichert. Wenn wir uns im geschützten Raum von der Livemusik und in der Gruppe stimulieren lassen und bewegen, können wir auch unsere Erinnerungen und Erfahrungen bewegen und diese wertschätzen und positiv überschreiben.

Aufregung, Euphorie, Ängste und Konflikte werden begrüßt und lassen eine Kultur der wahrhaftigen Auseinandersetzung möglich werden. Ziel ist es, im Kontakt mit dem Gegenüber Unbewusstes auftauchen zu lassen und bewusst zu machen, um das eigene Bewusstsein zu stärken. Die TänzerInnen und MusikerInnen beziehen sich aufeinander. Mitgefühl, Kooperation und Verantwortung werden geübt. „Der Mensch wird am Du zum Ich“ (Martin Buber). Das Gegenüber ist die live gespielte Musik, der Moment, der Raum, die Gruppe, die Erde, der Nachbar, die Ahninnen und alle Kräfte, die da sind.

In dieser Ausbildung wirst Du viel tanzen, zudem üben wir Wahrnehmung und Wertschätzung aller Prozesse. Dieser animistische und prozessorientierte Ansatz in der Tanzpädagogik feiert den Körper als Zentrum des Seins. Mit dem Körper und allen Sinnen ganz DA zu sein, ermöglicht ekstatische Erfahrungen und steigert nachhaltig Lebendigkeit, Präsenz und Charisma.

 

Du lernst für Dich selbst und für die pädagogische Praxis zum Anleiten:

  • ein schonendes und effektives Körpertraining
  • Tanztechniken der Durchlässigkeit und mehr Präsenz
  • Improvisation im tänzerischen Dialog
  • Atem-, Stimm- und Rythmusübungen
  • Gruppenbildung mit Tanz und Musik
  • kreative Körperprozesse einzuordnen und zu unterstützen
  • eigene Tanzrituale zu kreieren
  • humanistisches- methodisches Handwerk

 

Abschluss

Zertifikat in ritueller und ganzheitlicher Tanzpädagogik. Mit deinem Abschluss in der rituellen Tanzpädagogik verfügst du über ein theoretisches und praktisches Fundament, um Bewegung und Tanz gemeinschafts- und persönlichkeitsfördernd in Gruppen anzuleiten.

Als tanzpädagogische Methode mit tanztherapeutischen Elementen kann sie an vielen Bildungsträgern z.B. im Bereich soziokultureller Zusammenarbeit, Integration/ Inklusion wirksam eingesetzt werden. Eine Übernahme ins eigene Berufsfeld ist für jeglichen Bewegungsunterricht und gruppendynamische Prozesse bereichernd z.B. Teambuilding und Führungskompetenzen. Die Erweiterung deines Methodenportfolios ermöglicht dir in folgenden Bereichen tätig zu werden: in der jugendlichen Identitätsbildung, Frauenarbeit, Queerbewegung, LBGT-Community, interkulturellen Kommunikation, Gewaltprävention, Anti-Aggressionstraining, Resilienztraining, Gesundheitsfürsorge, Seniorenbegleitung, Prävention für Burn-out, Stressbewältigung, Entspannungstraining, Rückenfitness, Unterstützung bei Gewichtsregulierung etc. Dein Körperausdruck wird souveräner, deine Stimme ausdrucksstärker und dein Auftreten wird charismatischer.

Zudem eröffnet sich dir die Möglichkeit, im Verein Tanz der Kulturen mitzuarbeiten: eigene Auftritts- und Lehrerfahrungen zu sammeln und an internationalen sozialen Bildungsprojekten sowie professionellen Performances mitzuwirken.

Zielgruppe

Das Ausbildungsangebot richtet sich an professionelle TänzerInnen, SozialpädagogInnen, TherapeutInnen und alle die sich mehr Freiheit und Lebendigkeit wünschen. Es gibt keine konstitutionellen Voraussetzungen für eine Teilnahme. Alle Übungen werden individuelle angepasst. Frauen und Männer jeden Alters sind willkommen. Deine Bereitschaft sich mit dir selbst und der Gruppe auseinanderzusetzen wird vorausgesetzt. Interessierte mit finanziellen Schwierigkeiten mögen sich an uns wenden.

Nach dem Psychotherapeutengesetz darf Psychotherapie als Krankheitsbehandlung nur von Ärzten mit Psychotherapie-Weiterbildung (inklusive Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Tanztherapie ist jedoch nicht  abrechnungsfähig, da die Tanztherapie derzeit kein in den Psychotherapie-Richtlinien anerkanntes Verfahren ist. Approbierte Psychotherapeuten (Verhaltenstherapeuten, Tiefenpsychologen, Analytiker oder Gesprächspsychotherapeuten) mit entsprechender Ausbildung in Tanztherapie arbeiten jedoch manchmal mit Elementen der Tanztherapie. Personen mit Berechtigung zur Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz (HPG, „Kleiner Heilpraktikerschein“) können Tanztherapie als Therapiemethode anbieten, der Klient muss in der Regel allerdings privat zahlen. Nach dem geltenden Psychotherapeutengesetz dürfen sich diese Heilpraktiker jedoch nicht „Psychotherapeut/in“ nennen. Derzeit sind in Deutschland weder die Zulassung zur Ausbildung (Voraussetzungen) noch die Ausbildung (Inhalte), Abschlussverfahren (Prüfungen) oder die Zulassung zur Ausübung der Tätigkeiten in der Tanztherapie gesetzlich geregelt. Die Ausbildung zur TanztherapeutIn findet vorwiegend in privatrechtlichen Aus- und Weiterbildungen statt.

Fundamente der Bangoura-Methode

An der Staatlichen Universität für Tanz in Salvador/Brasilien initiierte Stephanie Bangoura eine Seminarreihe, die das Fundament des aktuellen Ausbildungsprogramms bildet. Im Zentrum der Seminarreihe “Corpo Ritmo e Ritual em Estudo” (2016) und “Dança Afro- Corpo em Estudo” (2013+2015) stand die Frage, wie afrikanischer Tanz zeitgemäß vermittelt werden kann.

Stephanie Bangoura lud dazu herausragende VertreterInnen der Re-Afrikanisierung im Tanz ein, alte Meister, PionierInnen und RevolutionärInnen, ChoreographInnen des nationalen Folkloreballettts, KörpertherapeutInnen, SchauspielerInnen, SängerInnen, MusikerInnen sowie Intellektuelle im Bereich afro-brasilianische Tanzkulte, zeitgenössischem Tanz und Theater. Darunter Dr. Eusebio Lobo da Silva, Clyde Morgan, Mestre King, Tania Bispo, Jose Ricardo Santos, Frank Händeler, Veronica de Moraes, Dr. Eloisa Domenici, Dr. Meran Vargens, Dr. Ciane Fernandes, Portella Açúcar, Doudou Coumba Rose, Letieres Leite, Gabi Guedes, Giba Conceição, Jorgelina Oliva, Kinho und andere. Die Seminarreihe wurde vom brasilianischen Kulturreferat, Banco do Nordeste und anderen öffentlichen brasilianischen Instituitionen gefördert.